4 Monate seit dem Ausstieg aus dem Lehrberuf – Es gibt ein Leben danach ;-)

Heute feiere ich den 4. Monatstag seit meinem Schulausstieg zum 1. Mai 2015!

Seit dem haben sich die Ereignisse für mich überschlagen, ich habe von zahlreichen (auch unerwarteten) Personen positives Feedback zu meiner Entscheidung bekommen und bin nach wie vor dabei, mir den Weg “zurück ins Leben” zu bahnen. (Hobbies, Sport und Zeit für mich? Das gab es seit Jahren nicht mehr in dem Umfang…)

Der 1. Mai (Ironie des Schicksals: Tag der Arbeit 😛 ) wird wohl in Zukunft ein kleiner zweiter Geburtstag für mich.

Auf meinem Blog haben mich viele Ähnlichdenkende angeschrieben, die an verschiedenen Punkten ihrer Ausstiegsüberlegungen stehen. Ich freue mich, wenn ich dazu beitragen kann, dem einen oder anderen das Gefühl von etwas mehr Orientierung, Bestätigung oder überhaupt “Wiedererkennen” und “Sich verstanden fühlen” zu geben. Oft wurde mir die Frage gestellt, was ich denn eigentlich jetzt mache. Ich hätte jetzt gerne DEN Tipp, der für jeden Lehrer als ultimative Ausstiegsmöglichkeit passt, leider ist das wohl in jedem Fall eine hoch individuelle Herausforderung.

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Der 1. Mai wird mein kleiner, zweiter Geburtstag. “Tag der Arbeit” eben, welch ein Zufall 😉

Etwa 4-5 Jahre lang habe ich schon nach Alternativen gesucht (also kurz nach dem Referendariat schon damit begonnen). Nebenberufliche Weiterbildung oder Studium wären in Frage gekommen, bei genauerer Betrachtung der Details aber doch wieder nicht… Im Endeffekt hat es zu meinem Ausstieg der Unterstützung meiner ganzen Familie bedurft. Ohne meine Eltern und meinen Partner hätte ich den Schritt schlichtweg nicht realisieren können.

Mein jetziges Tätigkeitsmodell hat zwei Komponenten, nämlich zum Einen den Einstieg in das seit 8 Jahren bestehende Unternehmen meines Partners, zum Anderen noch eine freiberufliche Tätigkeit als Kleinunternehmer nebenher.

Jetzt bin ich also freiberuflich selbständig und könnte jeden Tag eine Flasche Schampus knallen lassen vor Freude über diese Entscheidung. Ich arbeite viel und trage nach wie vor Verantwortung – jetzt eben für ein Unternehmen – doch die Arbeit, die ich jetzt mache, ist für mich von ihrer Intensität her überhaupt nicht mit der totalen Zermürbung des Lehrerberufs vergleichbar.

Im Grunde fühlt es sich für mich kaum an, als ob ich wirklich arbeite… denn bisher habe ich Arbeit (speziell: Gymnasium im bildungspolitischen Katastrophenland NRW!) als etwas erfahren, das per Definitionem gekennzeichnet war durch:

  • chronischen Dauerstress
  • Arbeit unter permanentem Zeitdruck
  • lückenlose Musterung und schonungslose Bewertung der eigenen Persönlichkeit
  • Angst vor Versagen, Angriffen auf die eigene Person, rechtliche Anfechtbarkeit
  • Lärmpegel: Düsenjetstart – moderne Lernmethoden sei Dank!
  • Einschüchterungsversuche von Vorgesetzten und Eltern
  • strategisches Kaltstellen und Isolieren von Kollegen mit “abweichender” Meinung durch Vorgesetzte
  • sklavisches Paragraphengereite
  • Entmündigung, Infantilisierung, Bevormundung “von Oben”
  • regelmäßige Nacht- und Wochenendschichten
  • Dauer-Nervfaktor neue Medien: Beamer kaputt, Server streikt, externe Boxen weg, falsches Kabel, Fernbedienung kaputt, Steckdose tot – im 45 Minutentakt
  • dauerhaftes Überschreiten der körperlichen Grenzen
  • Zwangsignorieren aller körperlichen Warnsignale und sukzessive einsetzender Gebrechen
  • Funktionieren müssen ohne Wenn und Aber. Lehrer = Roboter
  • keine Einspruchsmöglichkeit oder Streikrecht
  • sehr beschränkte Möglichkeiten, skandalöses Vorgehen der Vorgesetzten publik zu machen (Loyalitäts-Eid / Verbeamtung)
  • Ausführen permanent neuer und fragwürdiger Vorgaben, die mit dem eigenen Wertesystem und beruflichen Idealen nichts gemeinsam haben.

All das habe ich in meiner jetzigen Tätigkeit nicht mehr und genieße meine neue Freiheit in vollen Zügen. Fühlt sich rückblickend an wie ein jahrelanger, surrealer Horrortrip.

Dabei habe ich meine Rolle als “Geburtshelfer” für die Persönlichkeiten von Kindern und Jugendlichen sehr gerne erfüllt. Jungen Menschen die Welt zu eröffnen, sie neugierig zu machen, zum Nachdenken anzuregen, sie zum Hinterfragen allgemeiner Werte zu provozieren – das ist toll! Aber nicht in diesem System aus Angst, Stress und Menschenfeindschaft. Auch nicht angesichts der quantitativ und qualitativ zunehmenden Verhaltensauffälligkeiten von ELTERN! (Die Kinder sind in den meisten Fällen weitaus angenehmer ;-P)

Mir fehlen viele meiner Schüler und Kollegen. Auch gab es selbstverständlich sehr nette Eltern. Berührt hat mich, mit welchen Worten ich von einem Schülervater (sein Sohn ist jetzt in der 10, ich war von Klasse 5-7 Klassenlehrerin) über ein soziales Netzwerk angeschrieben wurde:

Schön zu hören, dass es ihnen gutgeht. Ja, habe das mit dem Ausstieg habe ich schon alles mitbekommen (…) in der Schule gab es schon ein großes Hallo deswegen, das haben eine Menge Eltern mitbekommen. Finde es super, dass sie ihrem Bauch folgen (…) und nicht dem vermeintlich sicheren Weg. Wir – meine Frau und ich – haben immer gedacht, sie sind zu gut für das Schulleben… Auf der anderen Seite gibt es viel zu wenig von Ihrer Art an den Schulen.

Einige ähnliche Kommentare erhielt ich auch von Eltern meiner aktuellen Klasse.

Ich wünschte für uns alle, dass es anders liefe an unseren Schulen. Was für ein Schlamassel…


Nachtrag:

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Die Dunkelziffer von Lehrern am Limit ist hoch und die Angst vorm “Outing” groß.

Dieser Artikel wurde in den ersten Stunden nach Veröffentlichung über 3000 mal aufgerufen und es gab viele Reaktionen dazu. Darunter auch einige Nachfragen, auf die ich hiermit antworte, sofern nicht schon persönlich geschehen.

Ich schreibe hier selbstverständlich von meinen eigenen Erfahrungen und Empfindungen und erhebe keinen Anspruch darauf, die universelle und einzig wahre Meinung über Schule und den Lehrerberuf zu vertreten. Auch möchte ich niemanden verschüchtern, der noch am Anfang steht. Das Schulsystem, die Schulform, die individuelle Schule, Einzugsgebiet der Schule, Zusammensetzung des Kollegiums, die Schulleitung, gesellschaftliche Veränderungen und nicht zuletzt natürlich die eigene Persönlichkeit und Veranlagungen – all das spielte in meine Entscheidung zum Ausstieg mit hinein.

Ich behaupte auch nicht, dass andere Jobs nicht auch ähnliche Züge haben können. Es gibt wahnsinnig viele bescheidene Jobs da draußen und natürlich auch solche, die in eine ganz andere Kategorie von schlechten Bedingungen fallen. Vollkommen klar!

Natürlich gibt es angesichts meiner subjektiven Schilderungen viele Lehrer, die die Dinge nicht, oder nur in Teilen so sehen wie ich. Das ist ja auch sehr beruhigend! Dann halten weiter noch Leute mit Herzblut die Fahne an den Schulen hoch! Ich bin voller Bewunderung für manche unermüdlichen, inspirierenden Kollegen, und dankbar, dass sie für so viele Heranwachsende weiter Sinn stiften.

Auch wurde ich von einer befreundeten Lehrerin zu meinem Blog gefragt “Wo sind die positiven Aspekte des Lehrer-Jobs? Wo ist der Spaß mit den Kindern? Wo die tollen Gespräche mit Kollegen? Wo die Motivation und Belohnung, wenn mal eine Stunde richtig gut klappt?” Dazu muss ich antworten: Klar gibt es all das! Sogar recht häufig und auch ich habe das oft genossen.

Doch ich hatte stets das Gefühl, dass all diese positiven Aspekte von Schule TROTZ der Umstände stattfinden und nicht WEGEN der Umstände. Mit meinen Kollegen und Schülern fühlte ich mich oft wie in einem fraternisierenden Bündnis GEGEN die Umstände. Viele nette Momente entstanden gerade dadurch, dass man das Gefühl hatte, gegen das System zusammen halten zu müssen. Wenn positive Momente auf dieser Basis beruhen, kann ich sie für mich nicht wirklich als positiv werten, auch wenn es schöne Erlebnisse sind.

Kontinuierlich erhalte ich Zuschriften von Referendaren und Lehrern, die sich sehr mit meinen Worten identifizieren und erleichtert sind, dass sie mit ihren Missempfindungen nicht alleine da stehen. Schlimm genug, dass mir so viele Lehrer zustimmen und selbst keine Möglichkeit sehen, die Situation für sich zu verändern.

Als Lehrer darüber zu sprechen, dass man im Beruf unglücklich ist, dass eben nicht alles gut läuft, nicht alle nett und umgänglich sind, und dass es vielleicht gar nicht erstrebenswert ist, diesen Beruf bei allen Sicherheiten für immer auszuüben, ist immer noch ein großes Tabu. Vielleicht wird es durch mein Blog ein bisschen weniger angsteinflößend.

27 Kommentare zu „4 Monate seit dem Ausstieg aus dem Lehrberuf – Es gibt ein Leben danach ;-)“

  1. Hallo Ihr,

    ich bin seit 1.2. in einer Beurlaubung – als letzte mögliche Konsequenz, um einen vorerst vorläufigen Schlussstrich unter eine unerträgliche Situation zu ziehen. Früher wäre für mich eine Beurlaubung – d.h. Verzicht auf Gehalt – nie in Frage gekommen. Wohl in dem Wissen, dass dies keine Lösung sein kann – sondern nur ein Aufschub ist.

    Ich habe die vergangenen 5 Jahre einen Versetzungsantrag gestellt, ohne Erfolg. Nun stehe ich vor der Entscheidung, einen Bundeslandwechsel zu beantragen. Irgendwie habe ich Zweifel, ob dies die Lösung ist. Klar, nach vielen Jahren der Unzufriedenheit, des Ausharrens und des Durchhaltens und nun der Ungewissheit, was kommt.
    Ich brüte gerade über einen Bundeslandvergleich zwischen BaWü und RLP.
    BaWü weist als Vorzug das Altersgeld auf (bietet RLP nicht), dafür hat BaWü das höhere Eintrittsalter in die Pension. Kann mir bitte jemand vielleicht noch Abwägungsgründe liefern, Erfahrungen im Vergleich zwischen BaWü und RLP liefern? In BaWü wird Zentralabitur geschrieben, RLP ist dezentralisiert organisiert – was es vermutlich für die Lehrkraft einfacher macht.
    Ich finde es schwer, mich zu entscheiden. Könnt Ihr mir da mit eigenen Erfahrungen, Tipps, Einschätzungen helfen? Wie seht ihr den Vergleich zwischen den beiden Bundesländern?

    1. Hallo Annou,
      puh, schwierig… Was bringt dich ausgerechnet auf RLP? Wärst du theoretisch in ganz Deutschland flexibel?
      Ich schieße einfach mal raus, was mir spontan einfällt: Ich bekomme die Rückmeldung in meinen Coachings, dass Ba-Wü aktuell mit seinen Lehrkräften wirklich krass umspringt und die Kündigungsquote dort so hoch ist wie nie. Es wundert mich daher wenig, dass deiner Versetzung bisher nicht stattgegeben wurde. Ein unschlagbarer – wirklich UNSCHLAGBARER Vorzug ist allerdings das Altersgeld. Wenn ich als Lehrkraft aktuell mit dem Beruf hadere, würde ich nie freiwillig durch einen Bundeslandwechsel auf den Altersgeldanspruch scheißen. Mir persönlich wäre es absolut egal, dass in RLP das Regelpensionsalter höher liegt. Weiß man, ob man das überhaupt gesund erreicht? Das Zentralabitur fällt für mich in Punkto grundlegender Arbeits- und Lebensqualität auch nicht ins Gewicht. Ich kenne es aus NRW gar nicht anders und glaube nicht, dass das irgendwas an meiner Grundsituation geändert hätte. RLP hat natürlich G9, was ich persönlich super finde. Aber das sind m.E. nach keine Gründe, die ernsthaft mit der Tragweite eines Altersgeldes mithalten können. Ich denke, dass ein Bundeslandwechsel dich im Zweifelsfall mit deinem grundsätzlichen Problem nicht viel weiter bringt. Meiner Erfahrung nach geht es eher darum, die Jackpot-Schule zu finden und ausreichend Selbstfürsorge zu betreiben. Zufriedenheit macht sich ja nicht am Bundesland fest, sondern am gelebten Alltag. Aus deinen Schilderungen lese ich auch, dass du grundlegende Bauchschmerzen hast, die ein Bundeslandwechsel möglicherweise nicht ausräumen kann. Gäbe es andere Schrauben, an denen du drehen könntest, außer dem Bundeslandwechsel? Das Altersgeld ist einfach ein sehr schwerwiegendes Argument. Aber das hängt natürlich auch von vielen anderen Faktoren ab: der Stärke deines Leidensdrucks und davon, ob du im Zweifelsfall auch eine verlustreiche Nachversicherung verschmerzen könntest…

  2. danke für diesen deinen blog! und danke für deinen mut! nach 16 jahren als volksbildhauer muss ich raus. überleben rules. alles was du beschreibst ist mir nur zu bekannt. die erste bewerbung ist geschrieben. nun soll es voran gehen. pensionsverluste…. schwieriges thema. aber was habe ich von einer guten pension, wenn ich sie gar nicht mehr erlebe? ich werde weiter hier stöbern und mit spannung dein buch erwarten.
    beste grüße aus niedersachen – dem bundesland auf dem weg in die absolute bildungkatastrophe. der name des “bildungs” ministers hier ist programm.
    julia

  3. Liebe Textourette,
    vielen lieben Dank für deinen Blog. Auf der Suche nach einer Stimme, die einem Mut zuspricht wenn man einen Blick aus der Schule raus wagt, bin ich froh, deine gefunden zu haben. Gerade weil man häufig so viele abweisende oder negative Stimmen hört, was den Ausstieg angeht (‘zu schwer’, ‘zu viele Nachteile’, ‘aber die Verbeamtung…!’) ist es wunderbar, einen Anlaufpunkt für positive Meinungen zu finden. Ich habe noch mindestens ein Jahr bis zur Verbeamtung ‘auf Lebenszeit’ und traue mich eigentlich erst jetzt, ernsthaft zu fragen, ob es mir wirklich SPAß macht, Kinder zu unterrichten. (Ich liebe mein FACH [Musik], aber ist das dasselbe? Wenn die Kinder zunehmend weniger Leistungsbereitschaft und Arbeitswillen zeigen, kann ich dann von mir JEDEN TAG erwarten, die Motivation und das ‘Anstoßen’ zu übernehmen, damit mal was läuft? So richtig befriedigend finde ich das nicht, jede Woche, jeden Monat und jedes Jahr bei Null anzufangen…) Dabei ist das Leben noch lange nicht vorbei, nur weil man das Studium und das Ref hinter sich hat und Lehrer haben eine Menge Kompetenzen, die in vielen Gebieten nützlich sein könnten (oder zumindest sagte mir das eine Freundin?). Da du ja immer mal wieder kommentierst, wie viele Klicks dieser Blog hat, habe ich den Eindruck du hast bei vielen Menschen einen Nerv getroffen und einen wichtigen Punkt angesprochen -bei mir ist das zumindest der Fall. Ich wünschte, die Diskussion würde noch stärker in der Öffentlichkeit geführt (z.B. könnte ich mir gut vorstellen, dass das Buch in den großen Zeitungen ‘HAZ’, ‘SZ’, oder meinetwegen auch ‘Bild’ eine Menge Publicity bringen könnte und richtig Gesprächsstoff bietet).
    Beste Grüße,
    Joey

    1. Hi Joey, danke für die positive Rückmeldung! In der Tat, Lehrer haben durch ihre Berufserfahrung oftmals viele Softskills aufgebaut, die gar nichts mit ihren Fächern zu tun haben, die jedoch wertvoll sind. Es hängt insgesamt von vielen verschiedenen Faktoren ab, ob man den Ausstieg wagen und verwandeln kann oder sollte. (Darüber schreibe ich auch in meinem Buch, das aktuell entsteht.) Auch ich bin der Ansicht, dass das Thema mehr in die Öffentlichkeit muss. Mal schauen, was daraus wird 🙂
      LG

  4. Hallo zusammen,

    erst einmal möchte ich mich dafür bedanken, dass dieser Blog ins Leben gerufen wurde und sagen, wie ermutigend es ist und wie gut es tut, einige Beiträge und Kommentare zu lesen.

    Die Kommentare zu diesem Artikel spiegeln genau das Gedanken-Pingpong wider, in dem ich mich seit gut einer Woche befinde und aus dem ich aktuell leider noch nicht herausfinde. Ich bin Referendarin an einem Gymnasium in NRW und kam in den letzten Tagen zu dem Entschluss, dass ein Abbruch des Referendariates aus gesundheitlichen Gründen wohl die vernünftigste Entscheidung wäre (dieses “wäre” deutet bereits darauf hin, dass es noch ein “Pong” gibt). Ein paar Wochen nach Beginn meines Refs ereignete sich in meiner Familie ein tragischer Unfall, weshalb ich das Ref für drei Monate unterbrach, da ich mich täglich in der Klinik bei der von diesem Unfall betroffenen Person befand, mich um sie sowie um sehr viel Bürokratisches diesbezüglich kümmerte. Diese Situation war für mich – da sie wirklich sehr tragisch und ungewiss war – gesundheitlich derart belastend, dass ich das Ref nicht mal eben so nebenbei hätte weiterführen können. Als ich den Vorbereitungsdienst dann wieder aufnahm, war mein Akku im Prinzip leer. Die “Schonphase” von drei Monaten, die einem in NRW bereitgestellt wird, hatte ich verpasst und stieg somit mit 10 Stunden selbstständigem sowie weiteren 4 Stunden Ausbildungsunterricht (in dem ich unterrichtete) wieder ein. Von diesem Zeitpunkt an bis zu den Sommerferien geriet ich in einen gesundheitlich mehr als bedenklichen und desolaten Zustand. Bereits in den letzten beiden Wochen vor den Sommerferien hatte ich – auch in der Schule – mehrere Kreislaufzusammenbrüche. Soweit so gut. Es geht mir nicht um eine dramatische Darstellung meiner persönlichen Situation und mithin nicht darum, Mitleid zu ernten. Ich erhoffte mir jedenfalls von den 6 Wochen Sommerferien ausreichend Erholung, um mit einem etwas aufgeladenen Akku wieder durchstarten zu können. Leider stelle ich seit einer Woche fest – und in wiederum einer Woche beginnt bereits die Schule wieder -, dass sich mein Akku so schnell nicht wieder aufladen lässt.
    Auf den ersten Blick scheint die Lage also klar: Gesundheit geht vor, sofort die Entlassung aus dem VD beantragen. Wenn da nicht dieses “Pong” wäre. Nämlich die Angst vor der Unsicherheit und dem Ungewissen, die Angst davor eine Fehlentscheidung zu treffen und es später zu bereuen, die Möglichkeit eines sicheren Beamtenstatus bzw. die Möglichkeit ganz gutes Geld zu verdienen “weggeworfen” zu haben – sollte die Bzrg. meine Gründe für eine Entlassung nicht als “wichtig” genug einstufen. Ich habe zwar offiziell die Verantwortung für einen familiären Pflegefall, aber nicht die alleinige – und nur Letzteres erkennt die Bzrg. offiziell als “wichtigen Grund” an, so dass ich die Möglichkeit hätte, den VD unter gesunden Bedingungen zu einem späteren Zeitpunkt wieder aufzunehmen.
    Was mich am meisten zermürbt momentan: Festzustellen, wie weit ich bisher ging und ggf. gehen würde (und meiner Erfahrung zufolge bin ich kein Einzelfall), im Prinzip nur des Geldes wegen.. (Ob eine Verbeamtung für mich in Frage kommen würde, weiß ich sowie nicht – ich sehe die Verbeamtung nicht grundsätzlich als erstrebenswert, sondern sehe sie auch kritisch; aber mindestens eine Bezahlung nach Tarifvertrag würde ich mir wünschen nach einem sehr erfolgreich absolvierten 1. Staatsexamen und vielen investierten Jahren.)
    Ebenso frustriert mich natürlich das ganze System “Referendariat”: durchschnittliche Arbeitszeit von 60 Stunden/Woche, oft lag ich bei 70 Stunden oder mehr. Wochenlange keine freien Wochenenden usw.; ich bewundere, wie Menschen mit Kindern diese Zeit überstehen, da ich jetzt merke, welche zusätzliche Herausforderung und Belastung es ist, wenn es etwas gibt, das neben dem Ref Zeit beansprucht. Diese Überforderung und Überbelastung, die im Ref natürlich durch zusätzliche Faktoren wie ständige Bewertungen usw. verstärkt wird, soll ja – erfahreneren KollegInnen zufolge – “nach ein paar Jahren weniger werden”. Für mich keine so richtig zufriedenstellende bzw. erstrebenswertere Aussicht. Natürlich trifft dieser Frust, diese Überbelastung und Überforderung nicht auf alle gleichermaßen zu. Allerdings arbeitete ich bereits während meines Studiums mehrere Jahre an unterschiedlichen Schulformen und musste die Erfahrung machen, dass ein sehr großer Teil an LehrerInnen folgende Eigenschaften (nicht jeder alle dieser Eigenschaften selbstverständlich) aufweist: todes(!)- oder nur unglücklich, überarbeitet, stark gestresst, psychosomatisch erkrankt, pessimistisch oder zumindest häufig alles negativ betrachtend und bewertend usw. und sofort.
    Mir stellt sich also immer und immer wieder die Frage, ob es das alles Wert ist. Ich kann nicht einmal mehr mit Sicherheit sagen, ob mir der Job irgendwann einmal richtig Spaß machen wird, da ‘spaßige’ Momente (die ich durchaus im Kontakt zu meinen SuS habe) den ‘ganzen Stress’ in meinem Fall nicht aufwiegen. Bereits im 1. Staatsexamen sagte eine Professorin mir “Leute wie Sie brauchen wir in unserem Bildungssystem”, alle Beurteilungen, die ich im Ref bisher erhielt, fielen äußerst positiv aus. Ich habe bereits jahrelange Erfahrung in der pädagogischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, ich arbeite sogar besonders gerne mit den “nicht so leichten, schwierigeren, leistungsschwächeren” SchülerInnen (oder wie auch immer man sie nennen möge). Gerade der pädagogische Aspekt am Lehrerberuf reizt mich am aller meisten. Und dennoch … bestätigt sich die oben aufgeführte Liste einiger Charakteristika des Lehrerberufes für mich bereits im Ref. und ich denke, es gelingt den wenigsten, einen wirklich zufriedenstellenden Umgang mit all diesen Aspekten zu erlernen. Es gibt solche LehrerInnen und ich bewundere sie wirklich für ihre innere Haltung! (Allerdings meine ich damit nicht den “Ich-scheiß-auf-alles-Lehrertypus”, der keine Ideale verfolgt und sich auf seinem saven Beamtenstatus ausruht und deswegen keinen Stress hat.)
    Aber gleichzeitig stellt sich mir die Frage: Sind ausschließlich solche Personen wirklich geeignet für den Lehrerberuf, kann oder sollte das wirklich der Maßstab sein? Meinem Bauchgefühl zufolge (und natürlich meiner Gesundheit zuliebe) würde ich am liebsten schon aus Prinzip den Dienst quittieren – ich habe ReferendarInnen kennengelernt, die dies taten mit der Begründung, dass sie sowas nicht mit sich machen ließen. Und ich bewundere diese Personen! Kein Mensch sollte sich in so jungen Jahren bereits so verheizen lassen. Für kein Geld der Welt – es sei denn, es würde ihn glücklich machen. Ich kenne allerdings enorm viele ReferendarInnen und Lehrer und leider niemanden, auf den das zutrifft. Hinzu kommt natürlich, dass die Qualität der Ausbildung leidet. Wir sollen z.B. bereits in den ersten Monaten herausgefunden haben, welche Lehrerpersönlichkeit wir sind oder sein wollen, unser pädagogisches Handeln im Schulalltag reflektieren und selbst evaluieren – was tatsächlich sinnvoll und extrem wichtig wäre, aber ohne ausreichend Zeit nicht möglich ist, da das Schaffen von Reflexionsräumen nun einmal eben diese beanspruchen würde.
    Ich merke, dieser Kommentar ist echt lang und ich könnte noch ewig weiterschreiben. Man muss ihn ja nicht zuende lesen. (-; Mir hilft es auf jeden Fall zu lesen, was die anderen hier aus ihren Erfahrungen berichten und bestärkt mich eigentlich darin, die Kurve zu kriegen, bevor es noch schlimmer wird – wenn da nicht dieses “eigentlich” wäre … ein Gedanken-Pingpong, das dem ein oder anderen hier wohl vertraut sein wird. (-; In diesem Sinne wünsche ich allen, die vor ähnlichen Situationen stehen, dass sie eine Lösung finden, die sie glücklich macht.

    Ich bediene mich nun noch eine Weile meines Verstandes und denke noch ein bisschen über Kants Satz “Ich kann, weil ich will, was ich muss” nach. (-; Was wir sowieso müssen, sollten wir doch echt mögen – dann fällt es uns bestimmt leichter. – Wobei: gerade meine Situation betreffend, sollte ich wohl viel mehr lernen auf mein Bauchgefühl statt auf meinen Verstand zu hören!

    1. Hallo One Up!
      Oh Mann, das klingt wirklich schlimm. Ja, ich kenne das Gefühl, wenn der Schulanfang am Ende der Sommerferien näher kommt und man sich noch so gar nicht erholt fühlt…
      Ich weiß nicht wo ich anfangen soll, zu antworten. Ich möchte mich aber auf das ganz wesentliche konzentrieren, nämlich deine Frage nach dem Weitermachen und der prizipiellen “Eignung” von Lehrern. Ich empfehle hier eigentlich keine Bücher oder Studien aber in diesem Fall glaube ich, dass dich diese Publikation sehr viel weiter bringen wird. Bitte google mal den Professor Uwe Schaarschmidt und die von ihm durchgeführte “Potsdamer Lehrerstudie”, eine Studie zur Lehrergesundheit. Die Essenz dieser STudie mit den vier Lehrertypen G, S, A und B findest du im Grunde gut im Netz, z.B. HIER. Dort findest du auch die von dir beschriebenen Lehrertypen wieder und damit vielleicht gleich eine Antwort, ob deren Haltung im Lehrerberuf langfristig zu Zufriedenheit und Gesundheit oder gar “Erfolg” führt… Wenn du dazu auch den umfassenden fachlichen Unterbau lesen möchtest empfehle ich das Buch “Gerüstet für den Schulalltag: Psychologische Unterstützungsangebote für Lehrerinnen und Lehrer” von Schaarschmidt. Er stellt das Problem der Lehrereignung in den Mittelpunkt und erhebt Forderungen nach besserer Aufklärung VOR und IM Studium. Für mich waren diese Typisierungen echt ein Augenöffner und hat meine Entscheidung nur untermauert. Lass mich doch wissen, was du darüber denkst. Viele liebe Grüße!

  5. Das kann ich alles nicht nachvollziehen.
    Auf der einen Seite will man Verantwortung für den Erfolg der Schüler übernehmen und dies führt dann zu all den beschriebenen Nachteilen.
    Viele Lehrer haben die Eigenart sich für das System verantwortlich zu fühlen und wollen dann die Missstände ausräumen. Genau dafür ist aber nur der Dienstherr verantwortlich. Der Lehrer ist nur Arbeitnehmer.
    Auf der anderen Seite wird dann der Lehrerberuf mit Unternehmertum verglichen. Das ist natürlich Blödsinn. Wer anderswo als Arbeitnehmer arbeitet hat dort dieselben Probleme wie jeder Lehrer, ausser natürlich die selbstgemachten Problem die vom Größenwahn “Leher ändert das System” herrühren.
    Als Arbeitnehmer ist der Lehrer den Arbeitnehmern in der freien Wirtschaft weit voraus. Er kann sich seine Arbeit zum größten Teil umfangsmässig so gestalten wie er will.
    Jedenfalls muss sich kein Lehrer Freizeit und Urlaub versauen, wenn er es nicht selber zulässt. Ohne jetzt die “innere Kündigung” zu propagieren, stelle ich einfach fest, dass dies nur als Lehrer oder Beamter möglich ist.
    Ein gut laufendes Unternehmen in das man einsteigen kann, oder das man sich selbst mit viel Glück aufgebaut hat, kann einem natürlich möglicherweise genausoviel Freiheit geben, aber vielleicht auch nicht.
    Jedenfalls kann ich das Geheule wegen den aufgezählten Nachteilen nur so zusammenfassen: Selber schuld , das hätte man auch anders regeln können.

    1. Vielen Dank für deinen kritischen, wenn auch nicht ganz sachlichen Kommentar. Das ist im Zweifelsfall alles eben nicht so einfach. Man hat als Person ja Werte und Ideale, nach denen man sein Leben zumindest ansatzweise gestalten möchte. Einfach nur die Ohren anlegen und funktionieren, so kann ich persönlich nicht glücklich werden. Ich weiß nicht, ob man heutzutage diesen Anspruch noch an einen Beruf stellen darf oder einfach nur froh sein muss, überhaupt einen sicheren Beruf zu haben. Da kommt dann wohl die Maslowsche Bedürfnispyramide zum tragen.

  6. Hallo,
    ich bin zufällig auf deinen Blog gestoßen. Danke, dass ich mich von deinen Worten verstanden fühle!

    Ich bin noch nicht auf dem Weg zum Ausstieg, teils weil ich erst seit zwei Jahren fertige Lehrerin bin, also noch nicht auf Lebenszeit verbeamtet, und teils weil ich mich immer noch vor allem selbst hinterfrage und schäme, offen zu sagen, dass ich unglücklich im System bin. Bin ich nicht vielleicht doch selbst einfach inkompetent und ungeeignet?

    Die Nachricht, die du über soziale Medien von diesem Vater bekommen hast, hat mich sehr berührt und daran erinnert, was ich bisher so von Schülern, Eltern und Kollegen gesagt bekommen habe. Ich scheine durch meine Andersartigkeit aufzufallen. Ich erinnere mich an ein Feedbackzettelchen eines Schülers/einer Schülerin, in dem stand, dass ich so bleiben solle: anders, humorvoll, lieb und mit Spaß bei der Sache.
    Manchmal denke ich, dass ich in der Schule diese Rolle mime, während ich innerlich schon lange resigniert habe. Doch die Kinder können ja nichts dafür…

    Hoffentlich finde ich auch irgendwann meinen Weg.

    1. Wintersternchen17

      Hallo Mimi,
      bedenke, dass es dir eben nicht besser geht auf lange Sicht, keine Arbeit zu haben. Die Möglichkeiten sind in der Realität ziemlich schwer woanders einen sicheren Job zu finden. An Privatschulen müsstest du ortsnah erstmal etwas finden und dort wird auch viel verlangt und weniger bezahlt. – Mach besser erstmal solange bis du die Lebenszeit Verbeamtung hast, dann kannst du dich z.B. auch beurlauben lassen und in dieser Zeit mal etwas anderes ausprobieren. Oder reduziere doch die Stunden wenn du zuviel Stress hast, was immer noch finanziell besser ist als ein schlecht bezahlter Job woanders… . Die Dunkelziffer der “Gescheiterten” oder Aussteiger ist möglicherweise hoch, die von den Jobcentern schikaniert werden und sozial immer mehr isoliert und ausgegrenzt werden. Und von einer Single-Frau ohne Arbeit, die die ach so tolle Beamtenstatus verloren hat, hält jeder lieber Abstand. Eine verbeamtete Lehrerin ist für viele Männer was (wobei man dann schnell mal merkt, wer zu gebrauchen ist, wenn überhaupt noch jemand…). Die soziale Wertschätzung von sogenannten Freunden, Partnern, Familienangehörigen steigt eben in der Realität nicht, wenn du keine Arbeit mehr hast. Und willst du dich zeitlebens dafür rechtfertigen müssen, auch bei neuen Arbeitgebern und Kollegen, wieso du denn nicht mehr als L arbeitest? Das nervt in der Realität auch an. Es gibt auch einige Lehrer, die ausgestiegen sind und dann erst als arbeitslose richtig seelisch krank geworden sind. – Allerdings weiß ich ja nicht wie’s genau bei dir beruflich steht. Bevor sie dich loswerden wollen, warum auch immer, ist es besser du gehst von dir aus. Dann hast du’s leichter später doch wieder etwas zu finden als Lehrerin.

      Herzliche Grüße

  7. Ich bin sehr erleichert, diesen Blog gefunden zu haben! Auch ich bin eine von denen, die gedacht hatten, sie stünden mit ihren Gedanken alleine….bin seit zwei Jahren verbeamtet, incl. Ref seit 7 Jahren als Lehrer tätig….was soll ich sagen? Die letzten sieben Jahre war ich unglücklich, bin zur Zeit wg. Depressionen in Beratungsgesprächen. Seit dem Ref weiß ich eigentlich, dass der Job nichts für mich ist, ich bin viel zu introvertiert, spiele in der Schule eine völlig andere Person, als ich eigentlich bin. Das strengt an. Das Blöde in meiner Situation ist, dass meine Familie und, was noch härter für mich ist, mein Freund meine Probleme nicht wirklich ernst nehmen. Meine Gedanken, aus dem sicheren Job, der Verbeamtung, auszusteigen, werden von allen als falsch bewertet, ich solle bloß nicht denken, in amderem Berufen hätte ich keinen Stress usw. Der Schritt, seine Ausbildung und sichere Zukunft über Bord zu schmeißen, erfordert ja schon Mut allein. Wenn ihn dir die Liebsten auch noch ausreden wollen, ist es echt hart. Aber ich merke einfach, dass ich es lange nicht mehr kann. Bin gerade dabei, wie es aussieht mit Alternativen..

  8. Hallo Ihr,
    ich bin froh, auf diese Seite gestoßen zu sein – mir wird immer suggeriert, ich stehe mit meinen Ausstiegsgedanken alleine da (unfassbar) und ich bekomme in diesem politischen Beziehungsgefüge (das ist nimmer normal ! Geschweige denn menschlich! ) keine klaren Auskünfte. Ersteinmal arbeite ich sehr gerne als Lehrer, ich stehe gerne vor Jugendlichen – was mir den Ausstieg auch erschwerte. Ich habe erhebliche Peobleme mit dem System, was Versetzungen, Freistellungen schier unmöglich macht! Ich kann nun innerlich kündigen oder neu beginnen. Letzte Wo wurde mir klar, warum Lehrer trotz ihres Mühsals, ihrer Unterdrückung, Entwürdigung, Entmündigung ausharren. Sie erwartet eine großzügige Altersversorgung.
    Was neu war, dass bei Entlassung aus dem Beamtenverhältnis nur der Arbeitgeberanteil in der gesetzlichen Rentenversicherung nachbezahlt wird. ! Damit ist der Weg in Altersarmut fast schon vorprogrammiert. Ich glaube, in BaWü ist das anders geregelt, sie zahlen auch Arbeitnehmeranteile nach. Ich bin Landesbeamtin RLP.
    Hilfe – nach all den Schikanen mit Dienstbehörde … möchte ich gerne was anderes tun. Weiß jemand was über diese Nachversicherung? Danke und Liebe Grüße – ich hätte meinen Wunsch vor 7 Jahren schon nachgeben sollen – mir hat das Beamtentum nie viel bedeutet – und jetzt scheint es mich mit zunehmenden Alter zu knebeln, bzw. ich sehe mehr Nachteile.

  9. Ich finde diesen Beitrag so erfrischend und hoffnungsvoll. Liebe Textourette, schön, dass du deinen Weg gefunden hast!
    Befinde mich gerade im 1. Mastersemester Grundschullehramt und seit zwei Wochen im Praxisblock. Soll heißen: min. 15 Zeitstunden/Woche in der Schule, 4 Stunden selbstgeplanter Unterricht. Was bin ich froh, dass es diese Phase gibt! Sonst hätte ich nie herausgefunden, dass der LehrerInnenjob (in unserem Schulsystem) am Ende nichts für mich ist.

    Überlege mir derzeit Alternativen (Hang zu den Bildungswissenschaften) und bin immer froh, Geschichten zu lesen von Menschen, denen es ging/geht wie mir. Texttourette, kannst du mir Tipps geben, worauf ich achten soll? Ich habe herausgefunden, dass Bildungswissenschaften gut mit meinem Wunsch zusammengeht, viele Möglichkeiten offen zu haben und mich zu spezialisieren, als auch von meinem bisherigen Wissen zu profitieren und möglicherweise bildend/referierend aber auch erstellend (Materialien, Konzepte) tätig zu sein.
    Bin nur noch unsicher, zudem muss ich mich mit dem Bafög-Amt auseinandersetzen wegen eines Fachwechsel. Aber das sind alles Schritte, die ich gerade beginne zu machen. Auf jeden Fall macht mir dein Beitrag Mut.
    LG

    1. Hi Eulenohr, vielen Dank für dein nettes Feedback. Freut ich, wenn du aus dem Blog Mut schöpfst. Was Studiengänge und deren Möglichkeiten angeht bin ich leider überfragt. Es gibt von Bundesland zu Bundesland und Uni zu Uni so viele verschiedene Fächerschattierungen, da bin ich nicht up to date… ich kenne mich noch nicht mal mit Bachelor/Master aus, weil ich glücklicherweise noch vor der Bologna Reform fertig studiert habe. Könnte mir vorstellen, dass man da etwas desillusioniert ist, weil einem dann doch nicht so viele Scheine für den anderen Studiengang anerkannt werden. Ich nehme auch an, dass ein Nebenfach mit wirtschaftlicher/betriebswirtschaftlicher Ausrichtung nicht dumm dazu wäre. Liegt mir persönlich auch nicht so, aber in meinem heutigen Beruf sehe ich, dass ich diese Kenntnisse bitter nötig hätte.
      Ansonsten kann ich da leider nur auf die herkömmlichen Stellen verweisen, Studienberatung, Arbeitsamt… dass die jetzt wirklich Ahnung davon haben, bezweifle ich aber auch. Wünsche dir auf jeden Fall viel Spaß und Mut, nach rechts und links zu gucken und neue Wege zu entdecken 🙂

  10. Hallo!

    Ich bin so froh, über diesen Artikel gestolpert zu sein. Ich befinde mich selber nämlich in einer misslichen Lage. Ich habe nun das Ref beendet und letzte an meiner Schule eine Beamtenstelle angenommen. Denn “es wäre ja dumm, dazu Nein zu sagen“. Leider weiß ich mit ziemlicher Sicherheit, dass ich diesen Beruf nicht bis in alle Ewigkeit ausüben will. Ich habe aber auch noch keine wirkliche Alternativen. Hinzu kommen Gedanken wie “Jetzt bin ich noch jung und könnte noch etwas anderes machen, bevor ich an Familienplanung denke.“ Ich bin gerade einfach nur ratlos…
    Habe ich noch einfachere Ausstiegmöglichkeiten, weil ich noch nicht lebenslänglich (schon allein das hört sich an wie im Gefängnis) verbeamtet bin?

    1. Hey Lisa,
      es ist vollkommen egal ob du lebenslang verbeamtet bist oder anders. Die “Kündigung” läuft gleich ab. Der Schritt an sich ist leicht. Der Schritt DAHIN allerdings nicht. Ich kenne diese Gefühle die du beschreibst selbst gut. Das ewige hin und her. Die Zweifel. Der Blick aus dem Goldenen Käfig usw.
      Was ich dir aber als dreifacher Familienvater ganz klar mitgeben kann ist, dass Familienplanung und Kündigung zwei verschiedene Dinge sind. Meine Kinder sind alle noch klein und trotzdem gehe ich dieses Jahr andere Wege. Du musst dich nicht jetzt “vor der Familienplanung” für etwas entscheiden. Du kannst dich immer wieder neu entscheiden.
      Jetzt sofort. In zwei Jahren, in zehn Jahren. Ohne Kinder, mit Kindern. Egal.
      Ich gebe zu, ohne Kinder ist das vielleicht etwas einfacher. Aber auch mit Kindern ist “der Zug doch noch lange nicht abgefahren.” Wenn die richtige Zeit gekommen ist, ist sie da. Das kann jetzt sein oder eben erst später.
      Ich wünsch dir was Gutes!

  11. Ich habe mich gerade köstlich amüsiert, weil mich deine Art zu schreiben, sehr gut unterhält. Ich befinde mich ebenfalls seit der Beendigung des Refs auf Alternativen. Es fehlt nicht mehr viel, dann bin ich auch so weit… Besonders gut gefällt mir dein Kuchen. Ich freue mich schon auf meinen eigenen. Ich werde den größten Kuchen backen, den die Welt je gesehen hat und mir ein spektakuläres Datum aussuchen;-)

  12. Hi!
    Es tut gut zu lesen, dass man mit seinen Ausstiegsgedanken nicht alleine ist. Ich denke auch schon das zweite Jahr darüber nach, weil sich fast 7 Jahre nach dem Ref Ernüchterung bzgl. des vermeintlich tollen Jobs einstellt. Das ist nicht das, was ich für mich vor Jahren als Beruf ausgewählt habe. Aber die Suche nach Alternativen ist schwierig, wenn man auf das Geld angewiesen ist und nicht mal eben alles hinschmeißen kann…
    LG

  13. hi, alles gute zum kleinen jubiläum. es freut mich zu lesen, dass es dir so gut geht 🙂 . besonders gut finde ich, wie du die gründe knapp und prägnant hier mal aufgelistet hast, die zu einem ausstieg führen. ich glaube, vielen außenstehenden ist dies nicht bewusst. ich selbst kann alle punkte unterschreiben und sie decken sich mit meinen erfahrungen. ich werde auch oft gefragt, warum ich nicht weiter im “konventionellen” schulwesen arbeiten will und gebe ähnliche antworten. die meisten sind dann ganz verblüfft und geschockt. mich regt es immer auf von neuen reformen zu lesen, während keine veränderungen oder diskussionen über die kernprobleme stattfinden. und dann wundern sich alle… . wenn ich dann so einen fall wie biancas lese, macht das noch wütender.
    ich wünsche dir weiterhin viel erfolg bei deinen neuen tätigkeiten. vg 🙂

  14. Guten morgen, bei mir ist der Ausstieg ja schon ein paar Jahre her. ..es war ein nicht unharter Kampf und ich musste das Gefühl haben alles versucht zu haben, um vor mir selber nicht als gescheitert da zu stehen, sondern zu begreifen, dass das System nicht zu meinen Überzeugungen passt.
    Ich habe es nie bereut, auch wenn ich auf viele Sicherheiten verzichtet habe und auch ohne Schule nicht das Paradies ausbricht. .
    Als ich gegangen bin, habe ich einige Kollegen gehabt, die hinter vorgehaltener Hand sagten : ich würde auch gerne gehen!

  15. Hallo. Es tut gut zu hören, dass aussteigen möglich ist. Ich denke im Moment viel über Alternativen nach. Ich bin gerade fertig geworden mit dem Referendariat und es war für mich und meine Familie der Horror. Mein Immunsystem ist hinüber und ich fühle nur noch Erschöpfung. Für mich ist am schwesten mich dafür rechtertigen zu müssen, warum ich jetzt nicht als Lehrerin arbeiten möchte und das der Abschluss ja nun “umsonst” war…. ständig werde ich gefragt, ob ich schon eine Stelle habe, aber ich will eigentlich gar keine. Ich habe nun seit sechs Wochen “frei” und habe bis jetzt nur versucht alles aufzuarbeiten, was über die zeit liegen geblieben ist, Papierkram usw. und fühle mich alles andere als erholt….

    1. Oh Chrissi, ich kenne das sehr gut und wünsche dir, dass du für dich die richtige Lösung findest. Ich wurde direkt zu Ende des Refs von meinem Schulleiter übernommen. Da sagt man ja erst mal nicht nein, wenn man so einfach einen Vollzeitvertrag mit Verbeamtung bekommt. Aber schon in den Sommerferien vor dem Einstieg habe ich mir halb in die Hose gemacht. Alle Kollegen sagen, es wird besser, aber für mich wurde es das einfach nicht. Nur mehr, unheimlich viel mehr von allem. Stress, Korrekturen, Nachtschichten. Für mich ein Alptraum. Ich wünschte, ich hätte früher über Alternativen nachgedacht. Aber das wollte ich mir erst mal nicht eingestehen. Musste erst körperlich und psychisch am Ende sein, bevor ich die Notbremse gezogen habe… Wünsche dir alles, alles Gute!

  16. Hallo.
    Vier Monate sind es also jetzt. .. nur das ich meinen Ausstieg nicht freiwillig gewählt habe- ich hatte am 4. Mai einen sehr heftigen Schlaganfall. Zum Glück geht es mir körperlich gut, nur der Kopf halt nicht immer (Kurzzeitgedächtnis). Tja… und nun stehe ich da mitten im Ref und mindestens bin Weihnachten krank geschrieben und bin natürlich neugierig, welche Möglichkeiten sich noch bieten ‘fleißig’ zu sein. .. Gruß Bianca Amend

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