Die Besten der Besten belohnen? – Über eine Leistungszulage für besonders tüchtige Lehrer

20. September 2018 0 Von textourette

Die Besten der Besten (Lehrer) belohnen“ – dafür plädiert FDP Generalsekretärin Nicola Beer heute im TAZ Interview. Finde ich ausgesprochen richtig, wenn sich Einsatz im Lehrberuf auch Monetär niederschlägt.

AAAABER: Woran macht sich das fest?

Ich halte es für enorm schwierig, Kriterien für besonders gute Leistungen als Lehrer festzulegen. Im Interview wird angeregt, dies an Schülerleistungen und deren individueller Leistungsentwicklung festzumachen. Okaaaayyyy, wo soll ich anfangen, warum ich das extrem problematisch finde?

Macht sich der Wert der Arbeit eines Lehrers daran fest, wie stromlinienförmig er seine Schüler drillen kann? Wie nachhaltig er ihnen beibringen kann, sich mit Leistung kaputt zu machen und ihren Wert nur an ebendieser zu bemessen? Werden dann alle Schüler, die nicht die entsprechende Leistung erbringen, auf eine andere Schulform geekelt, damit sie nicht die Leistungsstatistik verderben?

Oder sind es eher die Soft-Skills, eine gute Klassenatmosphäre, ein fairer Umgang miteinander, sinnvolle und realistische Unterstützungsangebote und Laufbahnberatung? Aber wie sind die messbar?

Weiter erläutert Beer, belohnt werden müssen “gerade die, die sich besonders reinknien, hier noch eine Arbeitsgemeinschaft betreuen, dort noch eine Aufgabe übernehmen und immer mit auf Klassenfahrt gehen.”

Ja, das ist wirklich Mehrarbeit, die entlohnt werden sollte. Den Kürzeren ziehen hier (mal wieder) die Kollegen auf Teilzeitstellen, die all diese Zusatzaufgaben eben nicht erbringen können – und das sind in über 90% der Fälle MÜTTER mit betreuungspflichtigen kleinen Kindern (an Grundschulen sind übrigens 96% der Teilzeitstellen Frauen mit kleinen Kindern) Quelle: Statistisches Bundesamt. Man wird durch das Frau und Mutter sein also nicht nur zwangsläufig weniger befördert (isso! …würden unsere Schüler hier sagen 😉 ), sondern in diesem Modell dann auch von anderen Leistungszulagen ausgeschlossen. Hallo Gender-Pay-Gap. Mit anderen Worten, für gute Leistungen belohnt werden vorrangig Kollegen in Vollzeit, also Männer und Kinderlose. (Nichts für Ungut, liebe Kollegen in Vollzeit. Ihr buckelt wie die Wilden und leistet oft hervorragende Arbeit! Ich streite hier nur für eine differenziertere Betrachtung von “sich besonders reinknien”.)

“Es kann ja nicht sein, dass eine ausgezeichnete Grundschullehrerin weniger verdient als ein schlechter Mathematiklehrer in der Oberstufe.”, so Beer. Ganz meiner Meinung! Aber wie macht man das fest? Und wird der schlechte Gymnasiallehrer bitte auch entsprechend gerügt, weil er in VOLLZEIT schlechte Arbeit leistet und damit umso größeren Schaden anrichtet? ;-P

Auch die Arbeit an Brennpunktschulen soll höher entlohnt werden. Eine Art “Schmerzensgeld” also. Finde ich nur fair. Wie staffelt sich denn dieses Schmerzensgeld genau? Am Prozentsatz von Hartz IV Empfänger Kindern in der Klasse? Oder eher am Prozentsatz von Migrantenkindern? Oder an der Frequenz von Kraftausdrücken? Oder daran, wie viele Kinder mit gefülltem Magen in die Schule kommen? Zählt Thüringen jetzt schon als kollektiver Brennpunkt oder warum gibt es dort nun schon für Referendare pauschal 1000€ mehr? Könnte makaber werden, oder?

Vielleicht wünschen sich Lehrkräfte an Brennpunktschulen auch einfach bessere Unterstützung durch Sozialpädagogen, flächendeckende Supervision, Gelder für bessere Ausstattung und Angebote, eine faire Chance auf Versetzung, wenn sie nach einigen Jahren an eine andere Schule möchten und letztlich gesellschaftliche Anerkennung, Respekt und Dankbarkeit. Aber so lange es das alles nicht gibt, sind Schmerzensgeldzulagen wahrscheinlich die billigere Variante.

Ich hoffe wirklich, dass der Vorschlag der Gehaltszulage für gute Leistungen ernsthaft diskutiert und vielleicht auch in die Praxis umgesetzt wird – aber bitte mit Verstand!