Inspiration und Experten

Inspiration zu Schreiben bekomme ich im Alltag schon genug ­čÖé Doch gibt es auch einige Schl├╝sselpersonen aus Fachwissenschaft und Praxis, die mich zum Nachdenken und Hinterfragen anregen. Oder mich einfach nur aufregen…

Hier eine st├Ąndig wachsende Liste von Experten, deren Ver├Âffentlichungen und Ideen ich zur (kritischen) Auseinandersetzung empfehle. Weitere Tipps sind in den Kommentaren sehr willkommen!

Von A bis Z:

Vera Felicitas Birkenbihl, 2011 verstorbene Psychologin, Lernforscherin und Motivationstrainerin. Skurril, kultig und genial dabei. Schaut euch ihre Vorlesungen auf Youtube an! Bessere Unterhaltung gibt es kaum ­čÖé Sie ist ├╝brigens selbst Asperger Autistin.

John Taylor Gatto,┬á40 Jahre lang war er Lehrer an amerikanischen High Schools. Mehrfach wurde er zum amerikanischen “Teacher of the Year” gek├╝rt. Dabei ist er selbst zu erbitterten Kritiker der Einrichtung Schule ├╝berhaupt geworden. Seine Schriften sind verbl├╝ffend, aufr├╝ttelnd und Speerspitze der “Unschooling”-Bewegung, also der kompletten Entsagung von ├Âffentlichen Schulen. Die vorher erw├Ąhnte Vera Birkenbihl steht seinen Schriften sehr nah.

Prof. Dr. Gerald H├╝ter, G├Âttinger Hirnforscher. ├ťbt starke Kritik am deutschen Schulsystem mit vielen interessanten und fundierten, teilweise aber doch etwas realit├Ątsfernen Gedanken und Vorstellungen. Dennoch setzt er seine derzeitige Medienpr├Ąsenz f├╝r gute Zwecke ein, n├Ąmlich z.B. die Bekanntmachung der Reformbewegung “Schulen im Aufbruch“.

–┬áJesper Juul, d├Ąnischer Familientherapeut. Sehr kenntnisreich und an einer liebevollen aber grenzensetzenden Erziehung orientiert. Siehe auch seine Organisation Familylab.

Harald Lesch┬ámischt zwar selbst nicht im System Schule mit, hat aber sehr ordentliche Ansichten, die er im ZDF bei “Leschs Kosmos” und “Terra X” zum Besten gibt. Lesch ist ├╝brigens┬áAstrophysiker,┬áNaturphilosoph,┬áWissenschaftsjournalist,┬áFernsehmoderator┬áund┬áHochschullehrer. Ich wage zu behaupten, dass er sich im Universit├Ąts-Umfeld schon viel mit verkorksten Bildungsbiographien auseinander setzen musste ­čśë┬áEine wahre Freude, ihm bei seinen Gedankeng├Ąngen zuzuh├Âren. Insbesondere reinschauen bei Unser Schulsystem ist Mist und Harald Lesch ├╝ber das Bildungssystem.

Richard David Precht, selbsterkl├Ąrter Philosoph und Publizist, der das deutsche Bildungswesen stark kritisiert. Auch wenn er im Kern gute Ideen und treffende Kritik ├Ąu├čert sehe ich rot, wenn ich ihn ├Âffentlich reden h├Âre. Seine weltfremde und teilweise unsachliche Hetze auf Lehrer und Schule geht mir mehr als auf den Keks. Mediengeiler Narzisst aber wenn er in einer Talkshow sitzt muss ich doch zugucken ­čśë . Verwurstet die Ideen vom viel besseren Sir Ken Robinson auf – wie ich finde – unsympathisch gro├čspurige Weise. Dennoch transportiert er die Reformbed├╝rftigkeit der Schule in die ├Âffentliche Debatte, das wiederum begr├╝├če ich. Daher r├Ąume ich Precht durchaus seine Berechtigung ein.

–┬áSir Ken Robinson, f├╝hrender britischer Experte auf dem Gebiet Kreativit├Ątsentwicklung und Human Resources. Genialer, urkomischer Typ und gleichzeitig scharfsinniger Analyst! Wenn es ein T-Shirt mit ihm drauf g├Ąbe, ich w├╝rde es tragen ­čśë ! Schon fr├╝h erkrankte er an Kinderl├Ąhmung und war in seiner eigenen Entwicklung mit vielen Herausforderungen konfrontiert. Seine Vortr├Ąge “Changing Education Earadigms” und “How Schools Kill Creativity” sind ultimative Augen├Âffner!┬áAu├čerdem ist er aus Liverpool, meiner geliebten Studienstadt, und hat deswegen schon extra einen bei mir gut! ­čśë

Andr├ę Stern – Er hat selbst nie eine Schule von innen gesehen und ┬áist (vielleicht gerade deswegen ?) ein genialer und faszinierender Typ. Bekannt geworden durch Erwin Wagenh├Âfers schulsystem-kritischen Film “Alphabet“, bereist er derzeit Deutschland mit seinen Vortr├Ągen, die f├╝r eine ├ľffnung und Restrukturierung von Schule werben. Zu sch├Ân und utopisch um wahr zu sein?

Michael Winterhoff, Bonner┬áKinder- und Jugendpsychiater,┬áPsychotherapeut┬áund┬áAutor. Er bietet den absoluten Gegenpol zu Precht und die beiden haben sich in der ein oder anderen Sendung schon gut gezofft ­čÖé Winterhoff spricht sich vehement daf├╝r aus, den Kindern konsequente Grenzen zu setzen und erntet aufgrund seiner teilweise konservativ und radikal wirkenden ├äu├čerungen gelegentlich Kritik. Sein Buch “Warum Kinder zu Tyrannen werden” ist zwar recht platt und rei├čerisch geschrieben, leuchtet mir jedoch absolut ein und war gewisserma├čen ein Augen├Âffner f├╝r mich. Lesen und selbst eine Meinung bilden.

8 Kommentare zu ÔÇ×Inspiration und ExpertenÔÇť

  1. Hallo,
    habe diese Seite gefunden und viel, viel Solidarit├Ąt empfunden.
    Habe meinen Lehrerberuf ebenso an den Nagel geh├Ąngt, sprich zu den Sommerferien meinen Beamtenstatus aufgegeben. Und nun lebt es sich zwar stressfreier, die uns allen bekannten Nachteile des Lehrerberufs sind weg…
    Doch langsam werde ich unsicher. Bin bei der Agentur f├╝r Arbeit gemeldet, war auf einem guten Berufungsseminar, inseriere Stellengesuche. Schaue Angebote auf etlichen Seiten an. Ich wohne auf dem Land, habe kleine Kinder. Bis jetzt scheint es keine irgendwie passende Stelle f├╝r mich zu geben. Selbstst├Ąndigkeit m├Âchte ich jetzt nicht wagen…
    Ich f├Ąnde es eine tolle Idee, wenn vielleicht auf diesem Blog eine ├ťbersicht entstehen k├Ânnte, welche Berufe diese Leser als ehemalige Lehrer nun aus├╝ben. Zur Motivation sowie zur Anregung.
    Ich glaube, das k├Ânnte auch anderen weiterhelfen.

    1. Hallo Berrit,
      zun├Ąchst einmal danke f├╝r deinen Kommentar und Gl├╝ckwunsch zum Ausstieg. Ja, deine Situation kann ich gut nachvollziehen. Auf dem Land ist sicherlich die Diversit├Ąt an Jobangeboten eingeschr├Ąnkt. Ich stamme selbst urspr├╝nglich aus einer sehr l├Ąndlichen Gegend und da stelle ich mir es sehr schwer vor eine “klassische Anstellung” zu finden, die zu einem passt und f├╝r die man nicht vollkommen ├╝berqualifiziert ist oder eben zu fachfremd. Ich sehe ein gro├čes Potenzial in allem, was digital und ├╝bers Internet abwickelbar ist. Aber da dr├Ąngt sich nat├╝rlich eine Selbstst├Ąndigkeit auf… Die von dir nachgefragte Liste wird in meinem Buch erscheinen, das ich aktuell in Arbeit habe. Ich habe schon in verschiedenen Foren einige Listenaufstellungen von Jobalternativen f├╝r Lehrer gelesen. Zudem habe ich eigene Ideen und m├Âchte da mal eine “Meta-Liste” draus machen.
      – Allerdings immer mit Vorsicht zu genie├čen. Ich wei├č, dass Listen Inspiration bieten k├Ânnen, sie k├Ânnen einen aber auch sehr im Denken limitieren. So sehe ich z.B. das Problem oder vielmehr das Ph├Ąnomen, dass viele Berufsalternativen f├╝r Lehrer eigentlich gar keine “Rei├čbrett-Berufe” sind. Also keine traditionellen Berufe, die man auflisten k├Ânnte. Vielmehr sehe ich, wie sich grade im Zeitalter der Digitalisierung enorm viele Dienstleistungs-Nischen auftun, die dann von der richtigen Person zur richtigen Zeit am richtigen Ort gef├╝llt werden. So entstehen die verwunderlichsten und wunderbarsten Existenzen dort, wo man sie gar nicht gesucht hat. Und das, obwohl daf├╝r gar keine klassische Ausbildung oder Studium absolviert wurde.
      Ich finde es wichtig, das im Hinterkopf zu behalten. Aber nat├╝rlich haben Listen ihre Berechtigung und werden entsprechend viel nachgefragt. Ich bin also dran! Wenn du magst, trage dich HIER in meinen Verteiler zum Buch ein. Wird zwar noch ein paar Monate dauern und kommt f├╝r dich damit vielleicht etwas sp├Ąt – aber auch ich habe ein kleines Kind und tue was ich kann… ­čÖé
      Viele Gr├╝├če!

  2. Denke auch ├╝ber Ausstieg nach. Ich bin Lehrer mit Herz und Seele. Aber: Diesem System will ich nicht l├Ąnger meine Arbeitskraft hinterherschmei├čen. Und nicht an diese SuS verschleudern. Der Niedergang des gesamten Bildungswesens ist f├╝r jedermann offensichtlich, da will ich nicht mehr mitwirken. Das Land geht den Bach runter, das Schulsystem geht voraus.

  3. Hallo, bin im Zuge meiner seit Jahren andauernden Doch-noch-Lehrer-werden-oder-eben-nicht-Recherchen (bin schon l├Ąnger DaF-Lehrkraft und jetzt im ├Âffentlichen Dienst), ├╝ber diesen Blog und Hannas Frage gestolpert: Zuf├Ąllig wei├č ich von einer Schulfreundin, dass das schon geht (sie hat f├╝r die Heimat im S├╝den die Verbeamtung im Norden aufgegeben), aber es geht prinzipiell sozusagen wieder von vorne los. Hei├čt man muss sich im zu verlassenden Bundesland nach den dortigen Bedingungen zum Ausscheiden richten und im “neuen” nach den Richtlinien zur Verbeamtung, da ja nichts ├╝bertragen werden kann. Bei ihr hie├č das wegen geringer Chancen im jeweiligen Lehramt nochmal ins Ref f├╝r eine andere Schulart. Wie es sich liest, scheint es im beschriebenen Fall aber anders zu sein. Da ich deine Situation, Hanna, wenig verwerflich finde, w├╝rde ich das bei den entsprechenden Ministerien mal relativ offen telefonisch anfragen. Das alte Arbeitsverh├Ąltnis auf Eis legen und ein neues anbahnen, scheint mir am vern├╝nftigsten. Zu meiner Situation: Neige nach dem Blog hier ├╝brigens mal wieder eher zu nein, aus hier genannten Gr├╝nden die ich wohl eher so intuitiv in mir trug. ­čśÇ

  4. Hallo Ihr Lieben,

    ich habe da mal eine generelle Frage – Habe ein Jobangebot aus einem anderen Bundesland (Planstelle) und es handelt sich dabei um mein Heimatbundesland in das ich unbedingt mittelfristig zur├╝ck m├Âchte.
    Nun ist es so, dass ich bereits eine Planstelle in NRW habe. Ich f├╝hle mich grunds├Ątzlich auch ganz wohl an der Schule, SuS sind nett und flei├čig, Kollegen sympathisch und alles in allem wirklich eine gute Stelle – nur der Standort ist eine mittelschwere Katastrophe. Ich f├╝hle mich hier ganz und gar nicht heimisch, wobei ich mir die letzten drei Jahre (seit Begionn des Refs) wirklich M├╝he gegeben habe mit meiner, nennen wir es Assimilation ­čśë dennoch, das Problem besteht weiter und ich m├Âchte so dringend wie noch nie in die Heimat zur├╝ck, jedoch nat├╝rlich nicht v├Âllig kopflos. Daher meine Frage : Ist es m├Âglich sich des Amtes entheben zu lassen, um dann im anderen Bundesland wieder verbeamtet zu werden? Ich liege noch unter der Altergrenze und bin gerade 30 Jahre alt geworden. F├╝r jegliche R├╝ckmeldung /Kommentar (jedoch ohne jene belehrender Natur- danke, ich wei├č selber das dies keine rein rationale Entscheidung ist) w├Ąre ich sehr dankbar.

  5. Hallo, ich bin 52 Jahre alt und immer gern Lehrerin gewesen. Ich liebe Kinder ├╝ber alles. Aber , ich will nicht mehr als Lehrerin arbeiten Ich plane meinen Ausstieg. Noch 1 Jahr m├Âchte ich als Lehrerin arbeiten und dann aussteigen…. Ich hoffe, dass es klappt. Ich m├Âchte auch weiter arbeiten, aber eben nicht mehr in der Schule.

    1. Hallo Sylvia, warum m├Âchtest du aussteigen und was hast du vor?Ich bin seit einem Jahr in unbezahltem Urlaub und werde wahrscheinlich auch nicht mehr in die Schule zur├╝ck gehen….es lebt sich stressfreier…:-)

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